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AUGUST-BOECKH-ANTIKEZENTRUM

Adolf von Harnack

Adolf von Harnack

 

Porträt von Adolf von Harnack
Friedrich-Wilhelms Universität zu Berlin

Rektorat 1900/01

* 07. 05. 1851 Dorpat/Tartu
† 10. 06. 1930 Heidelberg

Theologe

1876 ao. Professor der Kirchengeschichte in Leipzig

1879 Professor der Theologie in Gießen

1886 Professor der Theologie in Marburg

1888 Professor für Kirchen- und Dogmengeschichte in Berlin
 

Adolf Harnack, ab 1914 von Harnack, war ein bedeutender protestantischer Theologe und Kirchenhistoriker des späten 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts sowie ein herausragender Wissenschaftsorganisator in Preußen.

In Dorpat, heute Tartu, begann er seine Studien, setzte diese in Leipzig fort, promovierte dort 1873 und habilitierte sich 1874. Die Leipziger Universität ernannte ihn zwei Jahre später zum außerordentlichen Professor. Als Ordinarius für Kirchengeschichte wirkte er in Gießen und Marburg. Auf Betreiben Otto von Bismarcks erfolgte 1888 gegen den heftigen Widerstand des Evangelischen Oberkirchenrats und konservativer Kreise die Berufung Harnacks an die Theologische Fakultät der Friedrich-Wilhelms Universität. Seine Rektoratsrede, gehalten am 15. Oktober 1900, hielt er zu dem Thema: „Sokrates und die alte Kirche“.

Beeinflusst durch die Theologie von Albrecht Ritschls entwickelte er eine kritische Sicht auf die christliche Dogmengeschichte.

Harnacks Verständnis des Protestantismus war geprägt von Reformation der Heilslehre und Revolution gegen die Autorität der katholischen Kirche sowie gegen ihren hierarchischen Apparat mit eigener kirchlicher Rechtsordnung. Insofern vertrat er eine traditionskritische Persönlichkeitsreligion, die starke Sozialideale, die er im Reich Gottes symbolisiert sah, enthielt. Harnack war Berater von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.

1890 wurde Harnack Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, deren Kirchenväterkommission er gründete. Zu deren 200-jährigem Bestehen schrieb er 1900 „Die Geschichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften“.

Als Generaldirektor prägte er von 1905 bis 1921 die Geschicke der Königlichen Bibliothek (heute Staatsbibliothek zu Berlin). Die Bibliothek hat er an die Spitze der wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland geführt.

Auf sein Betreiben wurde die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die heutige Max-Planck-Gesellschaft, 1911 gegründet. Er war ihr erster Präsident.